01 02 03 04

Künstliche Bänke und raue Natur:
Aufstief und Niedergang der Sylter Austernzucht.

Im Jahre 1912 wurden in einem Großversuch vor Sylt 50.000 Austern aus Holland ausgesetzt. Der bisher eingesetzte Segelkutter wurde durch einen holländischen Dampfer, die Gelbstern, ersetzt. Die von den künstlich angelegten Bänken geholten Austern wurden in speziell eingerichteten Bassins aufbewahrt und zum Teil direkt an die Badegäste verkauft. Nach dem Krieg waren diese Becken undicht geworden (Grundwasser drang ein) und schließlich wurde das Gelände für die Austernzucht aufgegeben und verpachtet.

Von einem der letzten Betriebsleiter der fiskalischen Austernfischerei, Herrn Detlef Dethlefs existiert noch eine Gesprächsaufnahme vom 24.08.1956: „Königlich Preußische Austernfischerei" hieß das Unternehmen, als ich 1913 Betriebsleiter wurde. Wir hatten einen Raddampfer, Gelbstern hieß er. Und zwei Motorbotte. Sechs Netze führten wir auf dem Dampfer mit, wenn wir nun zum Fischen ausfuhren. Die wurden dann über das Heck ausgesetzt. Da war so eine Stange, die von drei eisernen Trägern gehalten wurde, wissen Sie. Mit sechs Rollen, über welche die Schlepptrossen der Netze zur Winde liefen. Etwa sieben Meter tief lagen die Austernbänke. Ungefähr zehn Minuten lang zog der Dampfer nun die Netze hinter sich her. Das langte. Dann hatten wir außer den Austern noch genug anderes Zeug mitgefangen. Das wurde dann gleich an Bord alles sauber sortiert. Und das Unbrauchbare sofort wieder ins Meer geworfen.

Genau genommen war das, was wir - mein Sohn Curt und zwei Gehilfen waren mit von der Partie - in diesen Jahren betrieben, ja gar keine Austernfischerei mehr, sondern Austernzucht. Mit der eigentlichen Austernfischerei war es schon längst vorbei. Wir ließen uns deshalb Saataustern kommen. Besonders aus Frankreich und Holland. Die setzten wir dann auf den Naturbänken aus. Das ist nun schon wieder so eine ganz besondere Sache, die Larven schwimmen dann dort umher. Und man muss nun dafür sorgen, dass sie sich ansetzen. Sonst würden sie ja von dem dauerndem Strom weggespült. Wir mussten zunächst also mal Brutfänger auslegen, Gekalkte Dachziegel waren das. Aber auch Miesmuscheln. Mitte Juni fingen wir damit an. Und wir hatten bis weit in den Juli hinein damit alle Hände voll zu tun.

1925 setzen wir auf der Ellenbogenbank 1 Million Saataustern aus. 1926 nochmals 3 Millionen. Und 1927 weitere 2,5 Millionen. Bis eine Auster aber nun versandreif ist, vergehen 3 bis 6 Jahre. Außerdem hatten wir wieder mal Pech: Kalte Winter vernichteten einen Großteil der Bestände. Allen Schwierigkeiten zum Trotz ging es nach einer besonders besorgniserregenden Flaute mit der Austernfischerei wieder aufwärts. 1937/38 und 1939. Dann kam der Krieg. Mein Sohn und die beiden Gehilfen rückten ein. Die Austern mussten aber gefischt werden. Wer sollte das tun? Ich allein? Aber das war nicht das Schlimmste: Dezember 1937 hatten wir 27 Grad Kälte. Und das war das Ende..."

zurück