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Austernfang auf Sylt:
einst für viele der Lebensunterhalt

Das Wissen um die Austern, die Vorkommen und die Fangmethoden verbreiteten sich schnell: In Keitum, Hörnum und List wurde die Austernfischerei zu einer wichtigen Einnahmequelle. Allerdings gab es über lange Zeit keinerlei Fangbeschränkungen, sodass sich schließlich im Jahre 1587 König Friedrich II., Herzog von Holstein-Gottorp gezwungen sah, einen offenen Brief an seine Untertanen zu richten:

„Wir Friedrich usw. thun Allen kund und zu wissen: Nachdem Wir in Erfahrung gebracht, daß in der Westsee (dies war die dänische Bezeichnung für Nordsee) im Riber Lehn eine Fisch, Osterling genannt, gefunden und gefangen werden soll, so haben Wir Unserem lieben Albert Fries, Vor-, Raths- und Amtsmann auf unserem Schlosse zu Ribe, befohlen, dass er diese Art Fisch in unserem Namen auf Befehl Unseres Lehnsmannes zu Ribe thun. Sobald sich jemand erdreistet, hiergegen zu handeln, so soll er bestraft werden, wie es sich gebührt. Hiernach hat sich Jeder zu richten und vor Schaden in Acht zu nehmen."

Mit diesem Erlass, der auf den 4. Februar 1587 datiert ist, wurde die Austernfischerei zum ersten Mal reglementiert und die Fanggebiete verpachtet, zumeist für eine Dauer von 20 Jahren.

Um 1870 zählt man...

Friesischer Austernfischer

...zwischen Röm, Sylt, Amrum und Föhr ganze 47 Austernbänke, von denen mehrere über vier Kilometer lang waren - die Gesamtfläche betrug 1800 ha. In den Jahren 1859 - 1873 wurden jährlich 4-5 Millionen Austern gefischt und tonnenweise verkauft. Der Erlös war allerdings aus heutiger Sicht eher bescheiden: Um 1840 wurden für 1000 Austern, also etwa eine Tonne, ganze 2 Reichstaler bezahlt. Die Austernfischer verdienten 20 Schilling (etwa 0,75 Euro) pro Tonne, die Schiffer nur wenig mehr. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse ließen den damaligen Küstenbewohnern jedoch keine Wahl.